RUNDBRIEF (4)
DES PRÄSIDENTEN DER LITURGISCHEN KOMMISSION O.CIST.

ZUR ADVENTS- UNDWEIHNACHTSZEIT 2004/2005

PAX

Liebe Mitschwestern!

Liebe Mitbrüder!

„ECCE, ADVENIT DOMINATOR DOMINUS!"

Siehe, es kommt der Herrscher, der Herr!

In seiner Hand ist die Macht und das Reich.

(Vgl. Mal 3,11; 1 Chr 19,12)

 

Mit dem Beginn eines neuen Kirchenjahres und des Advents treten wir wiederum ein in das Geheimnis vom immerwährenden Kommen des Herrn (Jean DANIÉLOU). Unser heiliger Ordensvater BERNHARD VON CLAIRVAUX (+1153) ist in der abendländischen Theologiegeschichte bedeutsam für seine Lehre vom dreifachen Advent, das heisst von der dreifachen Ankunft Jesu Christi. Er legt sie vor allem in seinen Adventspredigten dar. So sagt er beispielsweise in einer Ansprache: „In der ersten Ankunft (adventus) wurde Christus auf Erden gesehen, und er verweilte unter den Menschen. Damals haben sie ihn, wie er selbst bezeugt, gesehen und gehasst (Joh 15,24). In der letzten Ankunft aber ‚wird alles Fleisch das Heil unseres Herrn schauen’ (Jes 40,5; Lk 3,6), ‚und sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben’ (Joh 19,37). Die dritte Ankunft ist verborgen. In ihr sehen ihn nur die Erwählten in sich selbst, und ihre Seeelen werden gerettet werden. In der ersten also ist er im Fleisch in der Schwachheit gekommen, in dieser mittleren kommt er im Geist und in der Kraft, in der letzten wird er kommen in Herrlichkeit und Majestät" (5. Adventspredigt, 1). Seit seiner Entstehung im 4./6. Jahrhundert als längere Vorbereitungszeit auf die weihnachtlichen Hochfeste (Weihnachten und Epiphanie) hat der Advent bis heute immer diese doppelte Blickrichtung: a) das erste Kommen Jesu Christi bei seiner Menschwerdung (Inkarnation) und b) das letzte (zweite) Kommen Jesu Christi am Ende der Zeiten (Parusie). Darum beschreibt die „Grundordnung des Kirchenjahres" (= GOK, 1969) den Sinn der Adventszeit wie folgt: „Sie ist einerseits Vorbereitungszeit auf die weihnachtlichen Hochfeste mit ihrem Gedächtnis des ersten Kommens des Gottessohnes zu den Menschen. Andererseits lenkt die Adventszeit zugleich durch dieses Gedenken die Herzen hin zur Erwartung der zweiten Ankunft Christi am Ende der Zeiten. Unter beiden Gesichtspunkten ist die Adventszeit eine Zeit hingebender und freudiger Erwartung" (Nr. 39). Das Bemerkenswerte ist nun, dass der heilige Bernhard aber noch von einem dritten oder mittleren Advent spricht, und gerade dieser ist für unser klösterliches und liturgisches Leben von grösster Tragweite. Damit meint unser heiliger Ordensvater nämlich das (tägliche) Kommen des Herrn in unsere Herzen (zum Beispiel in der heiligen Eucharistie), die Einwohnung (inhabitatio) Christi in uns oder wie im Hinblick auf Weihnachten die Kirchenväter gesagt haben: die Gottesgeburt in unseren Herzen. „Wie er einmal sichtbar im Fleisch gekommen ist, um mitten in der Welt Heil zu wirken", erklärt der heilige Bernhard, „so kommt er täglich im Geist und unsichtbar, um die Seele jedes einzelnen zu retten (1. Adventspredigt, 10) ... Höre, was Gott selbst über diese Ankunft sagt, die geistlich und verborgen ist: ‚Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen’ (Joh 14,23). Glücklich, bei dem du wohnen willst, Herr Jesus! (3. Adventspredigt, 4)". Die mittlere Ankunft des Herrn ist der Weg von der ersten (Inkarnation) zur letzten Ankunft Christi (Parusie) und darum auch der tiefste geistliche Sinn gerade der Adventszeit, die wir neu begehn.

 

[Über den mittleren Advent in der Lehre des heiligen Bernhard gibt es eine interessante italienische Studie: Claudio STERCAL, Il „Medius Adventus". Saggio di lettura degli scritti di Bernardo di Ckairvaux, Rom: Editiones Cistercienses 1992 (= Bibliotheca Cisterciensis 9)].

 

DIE ADVENTSZEIT

In meinem ersten Rundbrief zum Advent 2002 habe ich bereits eine kurze liturgisch-spirituelle Einführung in die Adventszeit gegeben. Schwerpunkt waren dabei die verschiedenen Adventsbräuche wie der Adventskranz, die Rorate-Messen, die O-Antiphonen und die Antiphon „Alma Redemptoris Mater". Diesmal möchte ich noch auf einige andere Aspekte aufmerksam machen.

 

Der Advent beginnt mit der ersten Vesper des ersten Adventssonntags und endet vor der ersten Vesper von Weihnachten (vgl. GOK, Nr. 40). Sein Doppelcharakter: Gedächtnis der Inkarnation und Erwartung der Parusie Christi kommt seit der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil noch deutlicher zur Geltung, und zwar in den für alle Sonn- und Ferialtage eigenen biblischen Lesungen der Eucharistiefeier und des Stundengebetes, in den für jeden Tag eigenen Gebeten, aber auch in den wunderbaren Adventspräfationen. Die biblischen und liturgischen Eigentexte des Advents legen es daher nahe, dass, soweit es möglich ist, die Feier des Advents den Vorzug hat vor den Heiligenfesten, die man je nachdem auch nur kommemorieren kann. Jedenfalls haben die adventlichen Formulare in den privilegierten Tagen vom 17. bis zum 24. Dezember absoluten Vorrang (vgl. GOK, Nr. 16b). Nach der liturgischen Regelung kann man zwar an den Wochentagen bis zum 16. Dezember Messe und Offizium von den Festen und Gedenktagen der Heiligen feiern, Votivmessen und Messen für besondere Anliegen jedoch nur in Ausnahmefällen. Die genannten Wochentage vom 17. bis zum 24. Dezember hatten in der Adventszeit immer schon eine besondere Stellung, dadurch, dass sie „unmittelbar auf die Vorbereitung von Weihnachten hingeordnet sind" (vgl. GOK, Nr. 42). Diese Tage sind vor allem ausgezeichnet durch die feierlichen O-Antiphonen, deren Text seit der Liturgiereform auch für den Halleluja-Ruf der Messfeier vorgesehen ist. Theologisch und spirituell ist insbesondere die Perikopenordnung dieser „Weihnachtsnovene" von Bedeutung: Aus der Bibel werden die wichtigsten Stellen gelesen, die gleichsam in geraffter chronologischer Abfolge direkt zum Weihnachtsgeschehen hinführen.

 

Der Advent hat als Vorbereitungszeit auf die Feier der weihnachtlichen Hochfeste von seinem Ursprung her zwar einen gewissen Busscharakter, ist aber, im Unterschied zur vierzigtägigen Fastenzeit, geprägt von einem Klima „hingebender und freudiger Erwartung" (vgl. GOK, Nr. 39). Seit der Herausgabe der dritten Auflage des „Missale Romanum" im Jahre 2002 sind darum die Anweisungen über den Gebrauch der Orgel und anderer Musikinstrumente sowie über den Blumenschmuck geändert und „gemildert" worden. Die offiziellen Angaben lauten jetzt so: „Der Einsatz der Orgel und anderer Musikinstrumente wie auch der Blumenschmuck des Altars sollen, der Eigenart dieser Zeit entsprechend, gemässigt sein, damit sie die volle Freude der Feier der Geburt des Herrn nicht vorwegnehmen" (vgl. unser Ordensdirektorium 2004/2005, S. 20). Was bis jetzt nur am dritten Adventssonntag, dem Sonntag „Gaudete", möglich war, wird nun also auf die ganze Adventszeit ausgedehnt, jedoch mit einer gewissen Zurückhaltung.

 

Das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

 

Das Fest der Unbefleckten Empfängnis Marias am 8. Dezember, das man auch das „Hochfest Mariä Erwählung" nennt, fügt sich sehr passend in den ganzen Ablauf des Advents ein, obschon es ein neueres Fest ist. Maria ist nämlich, wie sie die morgen- und abendländische Theologie genannt hat und nennt, „die Morgenröte des Heils". So besingen wir sie auch im Stundengebet. Mit ihrer unbefleckten Empfängnis im Schosse ihrer Mutter Anna wird die Geschichte des Heiles in Jesus Christus unmittelbar eröffnet. Dieses Jahr gedenken wir des 150. Jubiläums der Dogmatisierung dieses Glaubensgeheimnisses durch den seligen Papst PIUS IX. (+1878) am 8. Dezember 1854 in der Bulle „Ineffabilis Deus". Es sei übrigens noch eigens darauf hingewiesen, dass die römische „Liturgia Horarum" seit der Liturgiereform für Vesper, Vigilien und Laudes je eigene Hymnen hat und nicht mehr den Hymnus „Ave, maris stella", der auf das gefeierte Festgeheimnis keinen direkten Bezug hat. Man findet diese „neuen" Hymnen (mit Melodie) beispielsweise im „Heiligenkreuzer-Hymnar".

 

DIE WEIHNACHTSZEIT

Das Weihnachtsfest, liturgisch als „Nativitas Domini" oder „Natalis Domini nostri Jesu Christi" bezeichnet, als „Geburtsfest des Herrn" also, ist zusammen mit dem Hochfest Epiphanie das Ziel der ganzen adventlichen Vorbereitung. Bekanntlich steht das Datum des 25. Dezember in engem Zusammenhang mit der Wintersonnenwende und dem heidnischen Fest „der unbesiegbaren Sonne" (Natalis Solis invicti), deren Licht über die bedrohliche Finsternis siegt. Die Christen haben den Geburtstag ihres Herrn Jesus Christus, dessen Kommen der Prophet Maleachi als „Aufgang der Sonne der Gerechtigkeit" (Mal 3,20) angekündigt hatte, ganz bewusst auf diese winterliche Sonnenwendfeier gelegt. Christus selbst hatte ja von sich gesagt: „Ich bin das Licht der Welt" (Joh 8,12). Auch im Evangelium vom Weihnachtstag, im Johannesprolog, ist die Rede von Christus als dem Licht: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt..." (Joh 1,9). So erklärt sich auch, warum gerade die Advents- und Weihnachtsliturgie so stark von der Licht-Thematik beherrscht ist, eigenartigerweise mehr noch als die Osterliturgie! Im Übrigen ist nach den ältesten Quellen in Rom, von wo aus er sich verbreitet hat, der Weihnachtstag, das Christfest, zum ersten Mal für das Jahr 336 bezeugt.

 

Die feierliche Ankündigung von Weihnachten

Im Orden haben wir einen sehr schönen Brauch, der schon für seine Anfangszeit im 12. Jahrhundert belegt ist. Am Vigiltag von Weihnachten, am Morgen des 24. Dezember, beginnt die Lesung des Martyrologiums im Kapitelsaal mit der Ankündigung der Geburt Christi. Nach den Worten: „Jesus Christus, Filius Dei, in Bethlehem Iudae nascitur – Jesus Christus, der Sohn Gottes, wird zu Bethlehem in Juda geboren", wirft sich der ganze Konvent „zur Verehrung der heiligen Menschwerdung zu Boden und hält ein kurzes Gebet" (vgl. „Ecclesiastica Officia", Kap. 3,4 und unser Ordensdirektorium 2004/2005, S. 26). Die eindrucksvolle grosse Prostration bringt sowohl die demütige Erniedrigung Gottes in der Menschwerdung Jesu als auch die Anbetung dieses unsagbaren Geheimnisses unsererseits anschaulich zum Ausdruck. Der heilige Bernhard hat diesen feierlichen Ritus in seiner ersten und sechsten Predigt zur Weihnachtsvigil grossartig kommentiert und dabei jedes einzelne Element der zitierten Ankündigung erklärt. Diese ist für ihn „die Stimme der Freude..., das gute Wort, das Wort des Trostes, die Kunde voll Lieblichkeit und wert, dass man sie beherzigt" (1. Predigt., Nr. 1). Es wäre schade, wenn dieser alte und schöne Zisterzienserbrauch verloren ginge. Man kann jedoch dort, wo das Martyrologium nicht im Kapitelsaal vorgelesen wird, diese feierliche Ankündigung von Weihnachten an einen anderen geeigneten Ort des Klosters verlegen und je nach Umständen auch den Gestus der grossen Prostration durch Niederknien ersetzen. Nach dem Hinweis in den liturgischen Büchern knien an Weihnachten (in allen drei Messen!) alle eine Weile nieder, wenn im Credo die Worte: „Et homo factus est.." gesungen oder gesprochen werden, und zwar aus dem eben genannten Grund.

 

Die dreifache Messfeier an Weihnachten

 

Eine Besonderheit des Weihnachtsfestes sind die drei Messen mit einem je eigenen liturgischen Formular. Sie sind in der Zeit vom 4.-6. Jahrhundert der römischen Papstliturgie entwachsen. Der Papst hielt nämlich drei Weihnachtsgottesdienste: a) die Christmette in der Basilika S. Maria Maggiore, b) die „Aurora"-Messe am Morgen in S. Anastasia und c) die Festmesse am Tag in St. Peter. Die älteste dieser drei Messfeiern ist die vom Tag (4. Jh.), die jüngste die sogenannte „Aurora-„ oder „Hirtenmesse" (6. Jh.). Von Rom aus haben sich die drei Weihnachtsmessen (von nun an dem einen und selben Ort) verbreitet und sind seit dem 9. Jahrhundert allmählich zum allgemeinen Brauch der Kirche geworden. So findet man sie auch in den frühesten liturgischen Büchern unseres Ordens. Der Kanonist und Liturgiker Wilhelm DURANDUS (+1296) gab den drei weihnachtlichen Messfeiern eine theologisch-symbolische Bedeutung (die dreifache Geburt Christi). Seit der Liturgiereform sind die drei Messen (das betrifft vor allem die „Aurora"-Messe!) nicht mehr verpflichtend. Es heisst in der GOK (1969), Nr. 34: „Nach alter römischer Tradition kann man an Weihnachten die Messfeier dreimal halten: in der Nacht, am Morgen und am Tag". Im Direktorium der Universalkirche wird gesagt: „Jeder Priester darf drei Messen zelebrieren oder konzelebrieren, jedoch nur zur jeweils entsprechenden Zeit" (vgl. unser Ordensdirektorium 2004/2005, S. 27).

 

Die Weihnachtsoktav

 

Analog zur Osteroktav bildete sich seit dem 8. Jahrhundert auch eine liturgisch gefeierte Festwoche von Weihnachten aus, die Weihnachtsoktav, wobei die ersten drei Tage bereits seit dem 5. Jahrhundert (!), durch die drei Begleitfeste: heiliger Erzmärtyrer Stephanus (26. Dezember), heiliger Evangelist Johannes (27. Dezember) und die heiligen Unschuldigen Kinder (28. Dezember) belegt waren. Man nennt diese Heiligen: die „Comites Christi – die Gefolgsleute Christi". Die letzte Liturgiereform hat die Weihnachtsoktav beibehalten, und zwar mit folgenden Charakteristika für alle diese Tage:

 

° In den Vigilien ist immer das „Te Deum" oder das „Te decet laus".

° Laudes, Terz, Sext und Non sind an den drei Begleitfesten von den Tagesheiligen.

° Die Vesper ist an allen Tagen (auch an den Begleitfesten!) bis zur Kurzlesung immer die zweite Vesper von Weihnachten (aber von der Kurzlesung an jeweils Eigentexte aus der Weihnachtsliturgie, nicht aber von den Heiligen!).

° In der Eucharistiefeier ist an allen Tag das Gloria, die Weihnachtspräfation und im Hochgebet der Einschub von Weihnachten).

° Die Gedenktage der Heiligen in der Zeit vom 28. bis 31. Dezember dürfen nur kommemoriert werden (wie das geschieht, ist in unserem Ordensdirektorium 2004/2005 auf S. 12 beschrieben).

 

Seit der liturgischen Erneuerung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird am Sonntag in der Weihnachtsoktav, wo es gut hinpasst, das Fest der heiligen Familie begangen (früher am ersten Sonntag nach Epiphanie). Ebenso hat die Liturgiereform für den Oktavtag von Weihnachten, den 1. Januar also, sinnvollerweise eine sehr alte römische Tradition wieder aufgenommen, nämlich an diesem Tag das Hochfest der Gottesmutter Maria zu feiern. Dieses Mariengedächtnis im Anschluss an die Geburt des Herrn ist das älteste Marienfest der römischen Liturgie („Natale Sanctae Mariae"). Mit der Einführung der grossen marianischen Feste im 7. Jahrhundert verlor es immer mehr an Bedeutung und machte einer Oktavfeier von Weihnachten Platz. Mit dem Oktavtag des Geburtsfestes Christi am 1. Januar verbanden sich aufgrund des Evangeliums Lk 2,21 noch andere Festinhalte: die Beschneidung des Herrn (in Rom seit dem 13./14. Jahrhundert) und die Namensgebung Jesu. In GOK Nr. 35 f) steht diesebzüglich: „Am 1. Januar, dem Oktavtag von Weihnachten, ist das Hochfest der Gottesmutter Maria und das Gedächtnis des Tages, an dem der Erlöser den Namen Jesus erhielt". Neuerdings sieht der Kalender der Universalkirche am 3. Januar die Möglichkeit vor, ein eigenes Fest des heiligsten Namens Jesus zu feiern (als „Memoria ad libitum", vgl. unser Ordensdirektorium 2004/2005, S. 30). Schliesslich ist seit 1967 auf die Anregung von Papst PAUL VI. hin der 1. Januar immer auch der „Tag des Weltfriedens". Alle genannten Geheimnisse und Themen prägen die Stunden- und Messliturgie am Oktavtag von Weihnachten. Auffallend ist allerdings, dass in den liturgischen Texten vom 1. Januar der Neujahrsbeginn kaum beachtet wird. Die Kirche folgt eben ihrem eigenen liturgischen Kalender, nach dem ihr Jahr mit dem ersten Adventssonntag beginnt. Im allgemeinen aber werden zum Jahreswechsel überall „Jahresschlussandachten" gefeiert. Das zivile Neujahr kann in der Einführung zur Eucharistiefeier und in den Fürbitten thematisiert werden.

 

Zum Hochfest der Erscheinung des Herrn (Epiphanie), das der zweite grosse Höhepunkt der Weihnachtszeit ist und von seinem östlichen Ursprung her theologisch und spirituell weit mehr ist als nur das „Dreikönigsfest" sowie zum Fest der Taufe des Herrn, das den Abschluss der Weihnachtszeit bildet, werde ich nächstes Jahr einige Erklärungen geben.

 

DAS JAHR DER HEILIGEN EUCHARISTIE

 

Wie Sie erfahren haben, hat Papst JOHANNES PAUL II. mit dem Apostolischen Schreiben „Mane nobiscum, Domine" vom 7. Oktober 2004 die Zeit von Oktober 2004 bis Oktober 2005 zum Jahr der Eucharistie erklärt und am vergangenen 17. Oktober in Rom mit einem feierlichen Gottesdienst eröffnet. Die Grundlage zu dieser Initiative des Papstes ist seine am 17. April 2003 veröffentlichte Enzyklika „Die Kirche lebt von der Eucharistie" („Ecclesia de Eucharistia"). Die heilige Eucharistie wird zudem auch das Thema der Welt-Bischofssynode sein, die vom 2. bis 29. Oktober 2005 in Rom stattfindet: „Die Eucharistie als Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche". Was der heilige Vater mit diesem eucharistischen Jahr erreichen möchte, erklärt er im erwähnten Apostolischen Schreiben folgendermassen: „Das Jahr der Eucharistie sei für alle eine kostbare Gelegenheit für ein erneuertes Bewusstsein dieses unvergleichlichen Schatzes, den Christus seiner Kirche anvertraut hat. Es sei ein Ansporn für eine lebendigere und innere Feier der Eucharistie, aus der ein von der Liebe durchdrungenes christliches Leben entspringen möge" (Nr. 29). Auch wenn er selbst zur Gestaltung dieses Jahres einige konkrete Anregungen gibt, so betont er doch: „Ich erwarte nicht, dass man aussergewöhnliche Dinge unternimmt. Alle Initiativen seien aber von einer tiefen Innerlichkeit geprägt. Wenn die Frucht dieses Jahres auch nur in der Verlebendigung der Feier der Sonntagsmesse und in der Förderung der eucharistischen Anbetung ausserhalb der heiligen Messe in allen christlichen Gemeinschaften bestünde, hätte dieses Gnadenjahr ein bedeutsames Ergebnis erreicht. Es ist gut, nach hohen Zielen zu streben und sich nicht mit dem Mittelmass zufriedenzugeben, da wir immer auf Gottes Hilfe zählen können" (ebd.). Uns, die Personen des Geweihten Lebens aber, ruft er mit diesen Worten auf: „Ihr Ordensleute seid durch eure Weihe an Gott zu einer längeren und tieferen Betrachtung gerufen. Erinnert euch, dass Jesus im Tabernakel euch an seiner Seite erwartet, um in eure Herzen jene innere Erfahrung seiner Freundschaft einfliessen zu lassen, die eurem Leben allein Sinn und Erfüllung geben kann" (Nr. 30). Besonders interessant am Schreiben „Mane nobiscum, Domine" ist die sozial-karitative Dimension der heiligen Eucharistie, die der Papst im 4. Kapitel „Die Eucharistie als Prinzip und Plan der ‚Mission’" hervorhebt und erläutert, nach dem altkirchlichen Prinzip: „Kein Gottesdienst ohne Menschendienst, keine Gottesliebe ohne Nächstenliebe"!

Es wird in diesem „Jahr der Eucharistie" also vor allem um die Verlebendigung der Eucharistiefeier gehen: dass wir sie immer würdiger, bewusster und tätiger feiern und mitfeiern. Die tägliche Eucharistie soll, wie es sich das Zweite Vatikanische Konzil wünschte, wahrhaft auch „die Quelle und der Höhepunkt" unseres klösterlichen Tages und unseres klösterlichen Lebens sein (vgl. Liturgiekonstitution, Nr. 10). Zur Vertiefung der Eucharistiefeier in ihrem praktischen Vollzug und zu ihrem besseren Verständnis helfen Messerklärungen, die nach der Liturgiereform vielerorts entstanden sind, wie beispielsweise im deutschen Sprachraum etwa das Buch von Jo HERMANS, Die Feier der Eucharistie. Erklärung und spirituelle Erschliessung, Regensburg 1984, oder andere ähnliche Kommentare. Als Orientierung und Vergewisserung für eine liturgiegerechte Feier der heiligen Eucharistie im Sinne der Kirche dient schliesslich auch die im Auftrage des Papstes von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung am 25. März dieses Jahres herausgegebene Instruktion „Redemptionis Sacramentum": „Über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind".

DAS ORDENSDIREKTORIUM 2004/2005

 

Wiederum sehr pünktlich und sorgfältig hat Fr. Xavier GUANTER von Poblet, der Direktorist unseres Ordens, das „Ordinis Cisterciensis Directorium Divini Officii 2004/2005" herausgebracht. Für seine Arbeit und seinen wertvollen Dienst möchte ich ihm ganz herzlich danken. In diesem Direktorium werden Ihnen vermutlich schon zwei Dinge aufgefallen sein: 1. Die Rubriken, besonders zu den geprägten Zeiten des Kirchenjahres (Advents-, Weihnachts-, Fasten und Osterzeit), wurden zum Teil erweitert und geändert. Warum? Wir haben uns dem Direktorium der Universalkirche angeglichen, das nach Erscheinen der 3. Auflage des „Missale Romanum" im Jahre 2002 seine Rubriken ebenfalls überarbeitet und angepasst hat. Ein Beispiel sind die oben erwähnten neuen Bestimmungen bezüglich des Gebrauchs von Orgel und Musikinstrumenten und des Blumenschmucks in der Adventszeit. 2. Wiederum in Anlehnung an das offizielle Direktorium der Kirche haben wir zwei „Memoriae ad libitum" aufgenommen, die neuerdings in das Kalendarium der Kirche eingegangen sind. Es handelt sich um diese: a) der Gedenktag des heiligen Johannes Didacus CUAUHTLATOATZIN (+1548) am 9. Dezember und b) der Gedenktag Unserer Lieben Frau von Guadalupe am 12. Dezember. Die lateinischen Eigentexte für diese zwei fakultativen Gedenktage findet man im Anhang unseres Direktoriums (S. 131-137). Am 17. Juni ist in unserem Direktorium neu der Gedenktag (ad libitum) des seligen Marie-Joseph CASSANT (+1903), Priestermönch aus dem Trappistenorden, verzeichnet, der am 3. Oktober 2004 von Papst JOHANNES PAUL II. seliggesprochen worden ist. Auf andere neue Gedenktage im Heiligenkalender der Kirche habe ich bereits in meinem 3. Rundbrief zur Fasten- und Osterzeit 2004 hingewiesen.

Wer bezüglich des Ordensdirektoriums Wünsche oder Verbesserungsvorschläge anbringen möchte, teile diese bitte direkt Fr. Xavier GUANTER nach Poblet mit.

 

DIE LITURGISCHEN INSTITUTE DER EINZELNEN LÄNDER

 

Viele Länder und Bischofskonferenzen haben ihre eigenen Liturgischen Institute, deren Aufgabe es unter anderen ist, liturgisch-pastorale Handreichungen zu geben, offizielle liturgische Bücher und Dokumente der Kirche in der Übersetzung der jeweiligen Nationalsprache zu verbreiten und neue liturgische Literatur anzubieten. Diese Institute haben heute gewöhnlich eine Internet-Adresse, mittels derer man liturgische Auskünfte und Texte aller Art abrufen kann. Manche dieser Institute geben ausserdem eine eigene liturgische Zeitschrift heraus. Auch unsere Klöster könnten die Hilfe dieser Institute in Anspruch nehmen.

 

In der Schweiz zum Beispiel weiht Abt Martin WERLEN OSB von Einsiedeln am 4. Dezember 2004 das nach einem längeren Unterbruch wieder errichtete und nach Fribourg verlegte Liturgische Institut der deutschsprachigen Schweiz ein. Es wird vom jungen Dominikanerpater Peter SPICHTIG in Zusammenarbeit mit einem Team geleitet. (Adresse: Impasse de la Forêt, Postfach 165, 1707 FRIBOURG. E-Mail: liturgisches.institut@fr.kath.ch).

 

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Unser Herr Generalabt Maurus und verschiedene Mitbrüder und Mitschwestern des Ordens haben mir einen ganzen Katalog von liturgischen Fragen und Problemen unterbreitet, die sich aus der Praxis ergeben haben. Ich werde diese Themen und Fragen nächstens in einem eigenen Rundbrief behandeln und beantworten, da sie von allgemeinen Interesse sind.

 

Die Advents- und Weihnachtszeit steht im Zeichen der dreifachen ANKUNFT DES HERRN. Der Adventsruf der Kirche schlechthin lautet darum: „VENI, DOMINE JESU – KOMM, HERR JESUS!" Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen allen einen heilbringenden Advent, ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein Jahr des Heiles 2005.

 

Ihr

 

fr. Alberich M. Altermatt O.Cist.

 

 

Kloster Eschenbach (Schweiz), 17. November 2004